Bei Automatisierungslösungen und in der Composite-Industrie reicht der Ruf des Familienunternehmens Langzauner aus dem oberösterreichischen Lambrechten in alle Welt. Composites, das sind Verbundwerkstoffe aus zwei oder mehreren Materialien: Durch ihre „Komposition" entsteht ein Stoff, der bessere Werkstoffeigenschaften besitzt als seine Einzelbestandteile. Ein Vergleich zur EDV-Landschaft der Maschinenfabrik drängt sich damit förmlich auf.
Eine Plattform statt zweier Systeme
Für Langzauner verwirklichte sich mit der Einführung der Lösung die lang gehegte Vision einer firmenweiten Plattform für Daten und Dokumente, auf die Beschäftigte aller Abteilungen gleichermaßen zugreifen und entlang des Lebenszyklus jedes Produktes Informationen ablegen und recherchieren können.
Das Unternehmen arbeitet in der 3D-CAD-Konstruktion mit SolidWorks. ERP-System ist proALPHA, das zudem ein Dokumentenmanagementsystem beinhaltet, welches Langzauner für die Ablage kaufmännischer Belege nutzte. CAD-Zeichnungen wurden schlicht auf Netzlaufwerken verwaltet, ihre Neutralformate in PDF-Form checkten die Beschäftigten in der Konstruktion manuell im DMS ein - mal mehr, mal weniger konsequent.
„Wenn Projekte größer werden und immer mehr in Teams konstruiert wird, brauchen alle Beteiligten schnellen Zugriff auf die Konstruktionsunterlagen", beschreibt Ing. Gerhard Mayrhofer, MSc, Leiter Automatisierung bei Langzauner, die Ausgangssituation. „Die Ablage auf verteilten Laufwerken und das Arbeiten mit den Neutralformaten im DMS reichen da nicht mehr aus. Ein DMStec dagegen bietet Ein- und Aus-Check-Mechanismen und es können mehrere Personen gleichzeitig mit den Informationen aus einer Produktstruktur arbeiten."
Automatisierter Datenaustausch mit allen umliegenden Systemen
Was den Bereich von Produktentstehung und Produktmanagement angeht, ist die wichtige Eigenschaft einer PDM-Software für Gerhard Mayrhofer ihre Integrationsfähigkeit: in verschiedene CAD-Systeme auf der einen, in die ERP-Lösung auf der anderen Seite. Diese Erfahrung machte Langzauner allerdings erst nach anfänglichen Bemühungen, Produktdatenmanagement mit dem SolidWorks-eigenen PDM-System umzusetzen. Der Versuch scheiterte weniger an den funktionalen Fähigkeiten der Lösung oder der Interaktion mit der CAD-Software. Vielmehr war es die fehlende Integration mit dem ERP sowie der ECAD-Lösung eBASE - Bedingung dafür, dass Informationen automatisch zwischen verschiedenen Systemen ausgetauscht werden können.
Für den praktischen Alltag ist der automatische Austausch essenziell, denn anderenfalls müssen Konstrukteure Stücklisten per Hand im PDM- oder ERP-System anlegen. Genau so war es bei Langzauner, denn ein automatisierter Artikel- und Stücklistenabgleich war mangels Integration nicht möglich. Die Übermittlung per Hand funktioniert aller Erfahrung nach nie vollständig und ist zudem äußerst anfällig für Übertragungsfehler. PDFs der Zeichnungen wurden automatisch im PDM-System abgelegt und zusätzlich per Hand im DMS. Weil in diesem aber die CAD-Daten nicht verfügbar sind, waren weiterhin zwei Systeme im Einsatz: Die kaufmännischen Abteilungen arbeiteten mit dem DMS, die Konstruktion mit dem PDM-System. Auch dem PDM-Modul des eingesetzten proALPHA-ERP-Systems fehlte genau diese Integrationsfähigkeit und kam deshalb nicht in Betracht.
PLM aus unternehmensweiter Sicht betrachten
Langzauner entschied sich deshalb für den Umstieg auf das PLM-System PRO.FILE, in dem sich die bislang getrennten Funktionen von PDM und DMS verbinden. „Man sollte ein solches Projekt nicht aus der reinen Konstruktionsbrille heraus angehen", hat Gerhard Mayrhofer gelernt. „Sondern man muss das Thema unternehmensweit betrachten." In verhältnismäßig kurzer Implementierungszeit konnte Langzauner mit der Lösung alle Standard-PDM-Anforderungen typischer SolidWorks-Anwender erfüllen und deckt zudem das Thema technisches Dokumentenmanagement vollständig ab. trisoft implementierte eine Lösung, die sich Schritt für Schritt zu einem umfassenden Datenrückgrat mit weitreichenden PLM-Funktionalitäten ausbauen lässt.
Die Rolle des Implementierungspartners sollte in Projekten wie diesem nicht unterschätzt werden. Durch ihr ausgewiesenes IT-Know-how gelang es trisoft innerhalb kurzer Zeit, eine Schnittstelle zwischen PRO.FILE und proALPHA zu implementieren. Der Partner erhielt einen Datenbankzugriff auf das DMS und konnte dadurch alle dort abgespeicherten Artikel, Stücklisteninformationen, Belege und kundenbezogenen Dokumente über die neue Schnittstelle nach PRO.FILE übernehmen. Anschließend wurde das alte DMS abgeschaltet.
Beziehungswissen zwischen PLM und CAD
Gleichermaßen ging trisoft im zweiten Projektschritt bei der Ablösung des SolidWorks-PDM-Systems vor. Dort galt es zunächst, zahlreiche Altlasten aus der Zeit der Umstellung auf das vormalige PDM zu beseitigen: Konvertierungen mussten vorgenommen, verloren gegangene Referenzen wiederhergestellt werden. Nach der Bereinigung stimmen in PRO.FILE die Zuordnungen zwischen 3D-Zeichnungen in SolidWorks und zeichnungsbegleitenden Unterlagen im PDM-System endlich wieder. „trisoft verfügt an dieser Stelle über große Erfahrung und hat im Projekt proaktiv zahlreiche Verbesserungsvorschläge eingebracht", sagt Christian Doblhammer, Konstruktionsleiter bei der Maschinenfabrik Langzauner.
Insgesamt sind bei Langzauner rund 50 PRO.FILE-Lizenzen im Einsatz - von den rund 100 Beschäftigten arbeitet also knapp die Hälfte tagtäglich mit dem System. Die rund 20 Konstrukteure recherchieren ebenso in der PLM-Software wie Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen an 30 weiteren Arbeitsplätzen, die vor allem die Funktionen als technisches Dokumentenmanagementsystem nutzen. In der Konstruktion wird kaum noch mit dem ERP-System proALPHA gearbeitet, was früher notwendig war, um darin Artikel und Stücklisten anzulegen oder die Verwendung von Teilen zu suchen. Zentrale Arbeitsoberfläche ist nun PRO.FILE, wo die Konstrukteure Stücklisten anlegen, die automatisch in das ERP-System übertragen werden.
„Genau deshalb haben wir ein solches System eingeführt: um schneller zu werden und Schnittstellen zu haben, sodass nicht jeder Konstrukteur Teile im ERP-System anlegen und Stücklisten pflegen muss. Das gehört schließlich nicht zu seinen Kernaufgaben", erklärt Christian Doblhammer.
Zentrale Plattform für das gesamte Unternehmen
Bei Langzauner ist PRO.FILE zur zentralen Plattform für das gesamte Unternehmen geworden, um produktrelevante Daten einzusehen und auszutauschen. Angefangen von Konstruktion und technischen Abteilungen über Verkauf und Einkauf bis zum Service findet jeder auf der Plattform schnell alle Informationen entlang des Lebenszyklus der Produkte. Die unternehmensweite Nutzung über alle Produktphasen hinweg ist für Gerhard Mayrhofer die Essenz von Product Lifecycle Management.
Über die Maschinenfabrik Langzauner
Die Maschinenfabrik Langzauner aus Lambrechten ist ein führender Experte in der Entwicklung und Produktion von Hydraulikpressen, Automatisierungslösungen, Sonderlösungen und schlüsselfertigen Konzeptlösungen in den Bereichen Automotive, Luft- und Raumfahrt sowie Sportindustrie. Was 1924 in der Holzbearbeitung seinen Anfang nahm, hat das familiengeführte Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte konsequent auf Automatisierungslösungen und die Composite-Industrie übertragen.